Berichte

„Was Ihr Wollt“ am Volkstheater München: ein barbiefizierter, vulgarisierter und enthumanisierter Shakespeare 

Beim Kostüm und im Bühnenbild dominiert die Farbe Rosa und die Figuren sind alle mehr oder weniger genaue Abklatsch-Varianten von Barbie und Ken, gekleidet in enge rosa Kleidchen oder Tropical-Beach-Outfits. War da der gehypte Barbie-Film des Vorjahres Vorlage? Und war das nötig? 

Während die Farbpalette noch durchaus annehmbar ist, ist die Sprache, die auf der Bühne gesprochen wird, schlicht und ergreifend niveaulose Alltags-, Umgangs- und Gossensprache. Vor Schimpfwörtern und anderen unerträglich modernen Formulierungen ist der Besucher nicht gefeit. Man muss eigentlich gar nicht aus S- und U-Bahn aussteigen, um ins Theater zu gehen, denn dort herrscht der gleiche Umgangston.

Das Schlimmste aber ist, dass keine Chance verpasst wird, vage shakespearische Anzüglichkeiten in sexuelle Obszönitäten zu verwandeln. Das Wort LOVE, das in Leuchtbuchstaben den Bühnenhintergrund dominiert, ist da doch fehl am Platz, denn um Liebe geht es in dieser Version von Shakespeares Stück sicher nicht – nur um sexuelle Fetische, Perversitäten und andere Gräulichkeiten.  

Wird dem Zuschauer in dieser Inszenierung der Spiegel vorgehalten? Sollen wir unsere Art der gängig gewordenen unerträglich vulgären Kommunikation und Interaktion hinterfragen und zum Besseren belehrt werden? Wohl eher nicht. Und wenn diese Intention jemals vorhanden war, dann hat sie das Publikum nicht erreicht, denn ein Großteil der Zuschauer fand jede sprachliche und sexuelle Entgleisung einen Lacher wert. Betretenes Entsetzten fehlte. 

Diana Rumrich