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Roland Jahn und Dr. Fiedler

 

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn am ITG


Am 12. März 2014 eröffnete Roland Jahn am ITG die Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“, die bis zum 1. April 2014 in der Aula zu sehen ist.
Vor knapp 200 Zuhörerinnen und Zuhörern, die meisten Schüler aus den Jahrgangsstufen 10, 11 und 12, kamen schnell mit dem Bundesbeauftragten ins Gespräch – über seine erzwungene Ausreise, über den Verrat von Freunden bei seiner Exmatrikulation von der Jenaer Universität und v.a. über Anpassung und Widerstand in der Diktatur.
Es war mucksmäuschenstill, als Roland Jahn von seinem Entscheidungsdilemma 1983 erzählte, eine Entscheidung, Heimat, Eltern, Freunde zu verlassen – oder zu Partnerin und Kind in den Westen auszureisen. Wie sehr ihn diese Zeit noch immer bewegt, war ihm mit jedem Wort, mit jeder Geste anzumerken. Schließlich wurde ihm von der Stasi die freie Entscheidung abgenommen: mit Knebelketten gefesselt, wurde er in den Interzonenzug nach Bayern gesetzt.
Immer wieder betonte Roland Jahn, wie wichtig es ist, dem Menschen seine Entscheidungsfreiheit zu lassen – ein fundamentales Menschenrecht. Die Freiheit zu gehen oder zu bleiben – die Freiheit zu wählen oder nicht wählen zu gehen.
Auf die Fragen der Schüler antwortete Roland Jahn umfassend, er holte aus, um am Ende zum eigentlichen Kern der Frage zurückzukommen. Zum Beispiel ging er auf die schwierige Situation seiner Eltern, v.a. seines Vaters ein, der sich bei Carl-Zeiss-Jena und als Fußballtrainer eine berufliche und sportliche Karriere aufgebaut hatte, die mit der Verhaftung seines Sohnes jäh endete. Erst spät erfolgte die Versöhnung zwischen Vater und Sohn.
Wichtig ist Roland Jahn als Bundesbeauftragtem auch die Befindlichkeit der Betroffenen, die, wenn sie Akteneinsicht nehmen, nicht auf ehemalige Stasi-Mitarbeiter treffen sollen, weshalb er den „Geburtsfehler“ der Behörde, nämlich die Beschäftigung zahlreicher ehemaliger Stasi-Leute, durch ihre Versetzung in andere Dienststellen anmahnt und forciert.

Bis heute hegen jedoch die wenigsten Betroffenen Rachegefühle gegenüber ihren einstigen Vernehmern, sondern sie erwarten ein Schuldbekenntnis, Reue und Entschuldigung – und dann ist auch ein Verzeihen und Vergeben möglich. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, so Roland Jahn. Er wünscht sich eine friedliche, versöhnte Gesellschaft mit breitem bürgerschaftlichem Engagement und möglichst wenig staatlichen Direktiven.
Diese ist jedoch nur möglich, wenn der einzelne Mensch zunächst Verantwortung für sich selbst und dann auch für andere übernimmt, wissend, dass sein Handeln oder Nicht-Handeln schicksalshaft wirken kann.
Das ITG dankt Roland Jahn für sein Kommen, es dankt der Stasi-Unterlagen-Behörde, dass sie die Ausstellung, das Begleitprogramm mit dem aufwändigen Betreuungspersonal zur Verfügung stellt.
Bei seinem Aufenthalt in Dachau besuchte Roland Jahn auch die KZ-Gedenkstätte. Vor dem Mahnmal legte er ein Blumengebinde nieder und gedachte der Opfer des Nazi-Regimes. Anschließend führte ihn die  Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Frau Dr. Hammermann, durch die Ausstellung und das Gelände.

Angelika Neumayer, ITG